{"id":84,"date":"2009-08-06T10:09:44","date_gmt":"2009-08-06T08:09:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sebastian-zenner.de\/?p=84"},"modified":"2014-09-10T18:09:14","modified_gmt":"2014-09-10T16:09:14","slug":"ein-duell-mit-kopfchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sebastian-zenner.de\/?p=84","title":{"rendered":"Ein Duell mit K\u00f6pfchen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sebastian Zenner nimmt an der Headis-Weltmeisterschaft in Saarbr\u00fccken teil &#8211; SZ-Serie, Teil 5<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zwei Tage lang haben mehr als 100 Teilnehmer in Saarbr\u00fccken um den Titel bei der Weltmeisterschaft im Headis gespielt. Einer davon war SZ-Mitarbeiter Sebastian Zenner im Rahmen der Serie \u201eWir machen mit!\u201c.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nSaarbr\u00fccken. Ich sitze an meinem Schreibtisch, und mir tut der Hintern weh. Eigentlich nicht nur der Hintern, sondern auch die Oberschenkel. Ich habe tierischen Muskelkater an Stellen, an denen ich Muskeln nie vermutet h\u00e4tte. Au\u00dferdem hab ich Sonnenbrand und gef\u00fchlte 45 Grad K\u00f6rpertemperatur. Nein, ich leide nicht an der Schweinegrippe. Dennoch habe ich mich angesteckt: Ich habe Headis (Kopfballtischtennis) gespielt. Um genau zu sein, habe ich an der Weltmeisterschaft am vergangenen Wochenende auf dem Uni-Gel\u00e4nde in Saarbr\u00fccken teilgenommen.<\/p>\n<p>Es ist Samstagmorgen, 10 Uhr. Leicht verschlafen tapse ich \u00fcber das Uni-Gel\u00e4nde in Richtung Multifunktionsfeld. Heute will ich Geschichte schreiben. Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Schlagzeile aller Gazetten Europas: \u201eErster \u00fcbergewichtiger Weltmeister einer Sportart \u2013 au\u00dfer Gewichtheben\u201c. Das w\u00e4re cool. Aber vor dem Ruhm kommt die Pflicht. Ich bin jedenfalls motiviert bis in die ungek\u00e4mmten Haarspitzen. Und weil man f\u00fcr die Headis-WM zwingend einen Spitznamen braucht, bin ich der \u201eBasti Funtasti\u201c.<\/p>\n<p>Um 10.30 Uhr beginnt die Einspielzeit. Ren\u00e9 Wegner, Erfinder von Headis, zeigt mir, wie man das Spiel richtig spielt. \u201eAls Anf\u00e4nger ist es besser, wenn man die H\u00e4nde an der Platte l\u00e4sst. Der Ball wird nur mit dem Kopf gespielt, aber du darfst mit dem ganzen K\u00f6rper auf die Platte\u201c, erl\u00e4utert der diplomierte Sportlehrer. Der runde Gummiball wird mir von Ren\u00e9 (alias Headi Potter) zugespielt wie ein Tischtennisball. Allerdings mit dem Kopf statt mit einem Schl\u00e4ger. Macht nix, ich war eh nie ein Schl\u00e4gertyp. Das wei\u00dfe Spielger\u00e4t ist von der Gr\u00f6\u00dfe her genau zwischen einem Tennis- und einem Fu\u00dfball angesiedelt. W\u00e4hrend ich mir diesen Vergleich f\u00fcr meinen Selbsterfahrungsbericht ausdenke, fliegt mir die Kugel schon an die Stirn \u2013 und danach ins Aus.<\/p>\n<p>Der zweite Versuch hat meine volle Aufmerksamkeit. Ich werfe den Ball in die Luft und k\u00f6pfe ihn so auf die Platte, dass er zu Ren\u00e9s Seite springt. Er spielt mir den Ball zur\u00fcck, und wir haben unseren ersten Ballwechsel. Je l\u00e4nger wir uns einspielen, desto mehr Gef\u00fchl bekomme ich f\u00fcr mein Stellungsspiel.<\/p>\n<p>Bis zur Auslosung bleibt noch etwas Zeit, also schaue ich mir die potenziellen Gegner an. Die erfahrenen drehen den Ball beim Aufschlag an, um den Gegner mit der Absprungrichtung zu t\u00e4uschen. Ist notiert. Nach der Auslosung begutachte ich das Tableau. Die Liste der Spitznamen ist lang \u2013 und lustig: Headi Bobic, Headini, Headonis, Headrik, Ed Headi und viele mehr. Head ich mir auch was Besseres \u00fcberlegen k\u00f6nnen . . . Und da, Gruppe 10: Basti Funtasti, Mickie Beluger, Kinpatsu und Headisaster.<\/p>\n<p>Es kann losgehen. Nach vier Stunden Ausharren in der sengenden Hitze er\u00f6ffne ich unsere Gruppe mit dem Match gegen Mickie Beluger. Ich komme gut ins Spiel und versuche, die eben gesehene Spin-Technik zu kopieren \u2013 und lasse es gleich wieder. Aber auch so erziele ich \u00fcberraschend viele Punkte, der erste Satz geht mit 11:6 an mich. Noch ungl\u00e4ubig staunend \u00fcber die eigene Leistung verliere ich den zweiten Satz mit 5:11. Den spielentscheidenden dritten Durchgang kann ich wieder offen gestalten, unterliege aber 7:11. F\u00fcr den Anfang doch gar nicht mal so schlecht.<\/p>\n<p>Der N\u00e4chste bitte. Es kommt Kinpatsu an die Platte. H\u00e4tte man mir erz\u00e4hlt, er sei Profi und verdiene sein Geld in der Headis-Champions-League, ich h\u00e4tte es geglaubt. Kinpatsu tr\u00e4gt ein komplex um die Stirn gewickeltes Kopftuch, wom\u00f6glich um den Ball besser zu kontrollieren, und einen japanischen Kampfanzug. Da sehe ich mit Plautze und verschwitztem Trikot der Hobbyfu\u00dfballmannschaft FC Schamass alt aus.<\/p>\n<p>Wie schon im ersten Spiel starte ich \u00fcberraschend stark und kann den ersten Satz f\u00fcr mich entscheiden. 11:7 f\u00fcr Basti Funtasti, eine Sensation bahnt sich an. Der Halbprofi hat den Grund f\u00fcr seinen schlechten Start indes schnell ausgemacht. \u201eKannst du dir bitte den Schwei\u00df von der Stirn abwischen? Wenn der Ball so nass ist, rutscht er immer weg.\u201c<\/p>\n<p>Ich spiele bei 30 Grad im Schatten mit einem in Leinenstoff eingewickelten Menschen namens \u201eKinpatsu\u201c eine Sportart namens Headis. Und dann soll ich mir, wie die Tennisprofis im Wimbledon, nach jedem Ballwechsel die Stirn abwischen? Ich tue es trotzdem, und es hilft. Jedenfalls ihm. Ich gehe in den n\u00e4chsten beiden S\u00e4tzen 6:11 und 1:11 unter.<\/p>\n<p>Bleibt noch das letzte Match gegen Headisaster. Ich gewinne den ersten Satz knapp mit 12:10. Vor sechs staunenden Zuschauern, darunter Kinpatsu und Mickie Beluger, f\u00fchre ich Headisaster vor. 11:6 im zweiten Satz bedeuten meinen ersten Sieg und die Quali f\u00fcr die Endrunde.<\/p>\n<p>Ich klopfe dem Unterlegenen sportsm\u00e4nnisch auf die Schulter und er\u00f6ffne ihm g\u00f6nnerhaft, dass er am Tag darauf f\u00fcr mich starten darf. Aus zeitlichen Gr\u00fcnden kann ich leider nicht an der Runde der besten 64 teilnehmen. Stattdessen sitze ich hier an meinem Schreibtisch und bin trotz aller k\u00f6rperlichen Qualen froh, an dieser Veranstaltung teilgenommen zu haben. Sonst headi was verpasst.<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht am 6. August 2009 in der Saarbr\u00fccker Zeitung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sebastian Zenner nimmt an der Headis-Weltmeisterschaft in Saarbr\u00fccken teil &#8211; SZ-Serie, Teil 5 Zwei Tage lang haben mehr als 100 Teilnehmer in Saarbr\u00fccken um den Titel bei der Weltmeisterschaft im Headis gespielt. 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