{"id":217,"date":"2010-12-14T15:00:25","date_gmt":"2010-12-14T14:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sebastian-zenner.de\/?p=217"},"modified":"2014-09-10T18:07:20","modified_gmt":"2014-09-10T16:07:20","slug":"danijel-grgic-die-mutter-bestimmte-dados%e2%80%9c-karriere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sebastian-zenner.de\/?p=217","title":{"rendered":"Danijel Grgic: Die Mutter bestimmte ,,Dados\u201c Karriere"},"content":{"rendered":"<p><strong>Danijel Grgic ist eine der spiel-bestimmenden Figuren beim Handball-Zweitligisten HG Saarlouis. Dabei wollte er urspr\u00fcnglich Fu\u00dfballprofi werden. Doch seine Mama hatte etwas dagegen. Zum Gl\u00fcck f\u00fcr den saarl\u00e4ndischen Club.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDanijel Grgic ist eigentlich kein Mutters\u00f6hnchen. Wenn man sich das 1,86 Meter gro\u00dfe Kraftpaket so anschaut, glaubt man auch nicht, dass seine erfolgreiche Karriere als Profi-Handballer nur aufgrund eines Verbots seiner Mutter zustande kam. Der Kapit\u00e4n des Handball-Zweitligisten HG Saarlouis behauptet aber genau das: \u201eBei uns ist es im Winter immer sehr kalt\u201c, erz\u00e4hlt der im ehemaligen Jugoslawien geborene Kroate: \u201eWirklich sehr kalt.<\/p>\n<p>Und weil man beim Fu\u00dfball immer drau\u00dfen trainierte, hat mir das meine Mutter irgendwann verboten. Handball war ihr lieber, weil das immer in der Halle gespielt wurde.\u201c Dabei h\u00e4tte der kleine \u201eDado\u201c \u2013 so lautet sein Spitzname \u2013 auch genauso gut Fu\u00dfballprofi werden k\u00f6nnen, wie er sagt: \u201eWenn man sieht, wer heute alles im Fu\u00dfball als Profi unterwegs ist und viel Geld verdient, dann bin ich mir sicher, dass ich das auch h\u00e4tte schaffen k\u00f6nnen. Viele Spieler in der Dritten Liga bekommen mehr Geld als Handballer in der Ersten Bundesliga.\u201c Recht hat er. Und wohl auch seine Mutter: \u201eIch bereue nichts. F\u00fcr mich war immer klar, dass mein Beruf einmal im Sport angesiedelt ist. Solange es ging, habe ich beides mitgemacht. Aber irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich mich f\u00fcr eine Sportart entscheiden musste und das war dann halt Handball.\u201c<\/p>\n<p>Heutzutage macht er eigentlich wieder beides: Handball und Fu\u00dfball. \u201eFu\u00dfball ist ein Hauptbestandteil unseres Trainings und wir spielen immer Alt gegen Jung. Das sind immer harte Duelle und so abwechslungsreich, wie eigentlich alles bei uns\u201c, verr\u00e4t der mit 33 Jahren mit Abstand \u00c4lteste im Team und lacht. Zu der Zeit, als der ehemalige kroatische Nationalspieler (25 Eins\u00e4tze) im Jahr 2006 ins Saarland und zur HG wechselte, war ihm allerdings nicht zum Lachen zumute. Nur wenige Monate vor seinem zweiten Gang nach Deutschland (erstmals 1998 in die Zweite Bundesliga Nord zu Stralsund) musste der Familienmensch n\u00e4mlich seine bitterste Niederlage hinnehmen \u2013 und die nicht auf, sondern neben dem Spielfeld. \u201eZwei Tage nach meinem Geburtstag (26. M\u00e4rz, Anmerkung der Redaktion) ist mein Vater gestorben. Das traf mich wie ein Schlag, er war mein bester Freund\u201c, erz\u00e4hlt ,,Dado\u201c und man sp\u00fcrt, dass ihm dieser Verlust noch immer sehr nahegeht: \u201eDa kommt man ins Gr\u00fcbeln.<br \/>\nIch wei\u00df, es h\u00f6rt sich vielleicht bl\u00f6d an. Aber ich glaube, das war Schicksal. Ausgerechnet in dem Jahr, als mein Vater die Diagnose Prostatakrebs bekam, wechselte ich noch einmal zu einem Verein in Kroatien. Es war so, als ob der liebe Gott mich noch einmal heimgeholt h\u00e4tte, damit ich mich von meinem Vater verabschieden konnte.\u201c<\/p>\n<p>Die Diagnose kam Ende 2005 \u2013 im Sommer zuvor wechselte Grgic zu Medvescak Zagreb, dem zweitbesten kroatischen Verein. \u201eDas Gef\u00fchl von damals ist unbeschreiblich. Von diesem Zeitpunkt an ging es auch mit dem Verein bergab. Ich wei\u00df, das eine hat mit dem anderen ja nichts zu tun. Aber wenn man das alles mal durchdenkt, dann passt es irgendwie zusammen.\u201c Grgics neuer Verein wollte damals mit ihm und einigen anderen Neuzug\u00e4ngen in der Liga angreifen und den besten Club des Landes (gleichzeitig Grgics Heimatverein), Serienmeister Badel Zagreb, in der Liga \u00e4rgern. Aber daraus wurde nichts.<\/p>\n<p>Der Verein wurde nach neun Monaten insolvent und es musste eine Entscheidung her. \u201eDie Entscheidung, zur\u00fcck nach Deutschland und dort nach Saarlouis zu gehen, traf ich damals f\u00fcr unsere kleine Familie. Meine Frau Ina kommt aus Deutschland, meine Kinder sind Deutsche und ich war 29 Jahre alt und wollte langsam sesshaft werden\u201c, erkl\u00e4rt der stolze Vater von Tom (16) und Marko (7). \u201eEs gab zwar auch Angebote aus Spanien, aber so ein Wechsel kam f\u00fcr mich nicht mehr in Frage. Unser Gro\u00dfer war damals in der f\u00fcnften Klasse und ging bis dahin insgesamt in drei oder vier St\u00e4dten zur Schule. Zuletzt in eine englischsprachige in Zagreb. Er hatte es auch nicht einfach.\u201c<\/p>\n<p>Saar statt Mittelmeer, deutsche Regionalliga statt Erster Liga in Spanien \u2013 die Wahl eines echten Sportsmannes: \u201eIch hatte mit Saarlouis von Anfang an irgendwie ein gutes Gef\u00fchl und das Angebot hat dann auch soweit gepasst. Im Nachhinein war es f\u00fcr uns und auch f\u00fcr den Verein die richtige Entscheidung. Wir haben sportlich fast alles erreicht, was wir uns damals \u2013 \u00fcbrigens noch unter dem Trainer Richard Jungmann (jetzt Vorsitzender, Anmerkung der Redaktion) in einem Konzept erarbeitet hatten. Wir wollten in die Zweite Liga, und da sind wir jetzt.\u201c Und wenn es sportlich l\u00e4uft, f\u00fchlt sich der Berufshandballer auch privat wohl.<\/p>\n<p>Wie lange sich Danijel Grgic sowohl sportlich als auch privat in Saarlouis noch wohlf\u00fchlen kann, h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab. Der wohl wichtigste Faktor d\u00fcrfte das Abschneiden der HG in dieser Spielzeit sein. \u201eMein Vertrag l\u00e4uft noch bis zum Ende dieser Saison. Ich f\u00fchle mich nach wie vor fit und will noch mindestens zwei, drei Jahre spielen. Ich habe mit dem Verein erste Gespr\u00e4che gef\u00fchrt und die waren sehr positiv. Ich kann mir durchaus vorstellen, weiter hier zu spielen\u201c, bekennt sich der Wahl-Deutsche zu seiner neuen Heimat. Ob er die alte Heimat vermisst? \u201eN\u00f6. Meine Mutter und meine Schwester vielleicht, aber die Heimat an sich nicht. Ich gehe gerne hin. Im Sommer sowieso, aber ich bin schon so lange in Deutschland, dass ich mich als Deutscher f\u00fchle.\u201c Dabei sind vor allem die sportlichen Erinnerungen an seine ersten Jahre als Aktiver (1996 bis 1998 bei Badel Zagreb) durchaus rosig. Gleich zweimal stand der junge Grgic im Finale der Champions-League: \u201eDas war alles sch\u00f6n und gut, aber da waren immer gute Nationalspieler dabei, an denen es schwer war, vorbeizukommen. Dann habe ich nach einer neuen Herausforderung gesucht und wollte mir meinen gro\u00dfen Traum, in der Ersten Bundesliga zu spielen, erf\u00fcllen. So ging ich dann in jungen Jahren nach Deutschland. Und das habe ich nicht bereut.\u201c<\/p>\n<p>Mit Anfang 20 in ein Land zu ziehen, dessen Sprache man nicht einmal ansatzweise beherrscht, ist mutig. \u201eIch habe fr\u00fcher zwar oft Handball im Deutschen Fernsehen geschaut, aber dabei immer den Ton abgeschaltet\u201c, sagt Grgic heute in fast akzentfreiem und wortreichem Deutsch. Sein Mut wurde belohnt. Noch vor den drei Jahren in der Bundesliga (2002 bis 2005 mit SG Willst\u00e4tt-Schutterwald und ThSV Eisenach) bezeichnet der 33-J\u00e4hrige die auch dank ihm bei der HG Saarlouis eingetretene Entwicklung als gr\u00f6\u00dften Erfolg seiner Karriere.<\/p>\n<p>Insgeheim wird dies nur noch von der Tatsache getoppt, dass \u201eklein Dado\u201c seinen Beruf bei Wind und Wetter in einer warmen und \u00fcberdachten Halle aus\u00fcben kann \u2013 so wie Mama Grgic es sich gew\u00fcnscht hat.<\/p>\n<p><strong><em>Zur Person:<br \/>\n<\/em><\/strong>Danijel Grgic wurde am 26. M\u00e4rz 1977 in Zagreb geboren. Der 1,86 Meter gro\u00dfe R\u00fcckraumspieler spielte bis 1997 bei Badel 1862 Zagreb, anschlie\u00dfend von 1998 bis 2002 beim Stralsunder HV, von 2002 bis 2003 bei der SG Willst\u00e4tt-Schutterwald. Von 2003 bis 2005 stand er beim ThSV Eisenach, danach 2005 bis 2006 bei Agram-Medvescak Zagreb unter Vertrag. Seit Sommer 2006 ist der 33-J\u00e4hrige bei der HG Saarlouis am Ball, wo er die R\u00fcckennummer 17 tr\u00e4gt. Sein Vertrag l\u00e4uft bis zum Sommer 2011. Mit Badel Zagreb spielte Grgic 1996 und 1997 in der Champions League. Mit Willst\u00e4tt\/Sch\u00fctterwald und Eisenach spielte er in der 1. Handball-Bundesliga. Beim Stralsunder HV wurde er in der 2. Handball-Bundesliga einmal bester Torsch\u00fctze (245 Tore). F\u00fcr die Kroatische M\u00e4nner-Handballnationalmannschaft absolvierte er insgesamt 25 Spiele. Danijel Grgic ist verheiratet und hat zwei Kinder.<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht am 13. Dezember 2010 in FORUM &#8211; Das Wochenmagazin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Danijel Grgic ist eine der spiel-bestimmenden Figuren beim Handball-Zweitligisten HG Saarlouis. Dabei wollte er urspr\u00fcnglich Fu\u00dfballprofi werden. Doch seine Mama hatte etwas dagegen. Zum Gl\u00fcck f\u00fcr den saarl\u00e4ndischen Club. 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