{"id":164,"date":"2009-12-24T13:09:22","date_gmt":"2009-12-24T12:09:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sebastian-zenner.de\/?p=164"},"modified":"2014-09-10T18:08:53","modified_gmt":"2014-09-10T16:08:53","slug":"michael-kostner-%e2%80%9ebaluuuuuuu%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sebastian-zenner.de\/?p=164","title":{"rendered":"Michael Kostner: \u201eBaluuuuuuu\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ex-Profi Michael Kostner sagt: \u201eH\u00e4tte ich nochmal die Chance, w\u00e4re ich mehrfacher Million\u00e4r\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ampfing. Peter Neururer sagte als Trainer des Fu\u00dfball-Bundesligisten 1. FC Saarbr\u00fccken \u00fcber seinen Lieblingsspieler: \u201eEr ist der beste Libero Deutschlands.\u201c Der damalige Bundestrainer Berti Vogts sagte \u00fcber den selben Spieler: \u201eEr ist der beste Libero \u2013 des Saarlandes.\u201c Spiel\u00fcbersicht, ein Auge f\u00fcr freie Mitspieler, guter Freisto\u00df- und Elfmetersch\u00fctze. Aber auch unbeherrscht, manchmal disziplinlos, nicht immer Herr seiner Nerven.<\/p>\n<p>Es geht um Michael Kostner. Was macht der Ex-Profi des FCS und des FC Homburg? Er verdient sein Geld als Autoverk\u00e4ufer im bayerischen Waldkraiburg. Wenige Kilometer entfernt, in Ampfing, wohnt der 40-J\u00e4hrige mit Frau und vier Kindern \u2013 neben dem Sportplatz des Bezirksoberligisten TSV Ampfing, bei dem er Trainer und sportlicher Leiter ist.<\/p>\n<p>\u201eWir f\u00fchlen uns hier sauwohl. Seit vier Wochen bin ich wieder verheiratet, gerade zum dritten Mal Vater geworden\u201c, erz\u00e4hlt \u201eBalu\u201c, wie ihn Fans im Stadion gerufen haben. Seine erste Ehe wurde 2005 nach 18 Jahren geschieden. Seit 2007 ist Kostner beim TSV. \u201eDamals gab&#8217;s viele Angebote, aber mir ging es nicht ums schnelle Geld, sondern um meine Zukunft. Ich bin jetzt 40 und muss schauen, wie es weitergeht. Das Angebot in Ampfing sah vor, dass ich die Umschulung zum B\u00fcrokaufmann machen konnte.\u201c<\/p>\n<p>Job, Familiengl\u00fcck, N\u00e4he zum Fu\u00dfball: Es l\u00e4uft gut f\u00fcr den ehemaligen Libero. Das war nicht immer so. Eine schwere Zeit hatte er bei Wacker Burghausen. 2000 nach \u00c4rger mit Trainer Rainer H\u00f6rgl suspendiert, wurde er vom Profi zum Platzwart. \u201eIch habe bei Wacker meine Trainerscheine gemacht und recht erfolgreich Jugendmannschaften trainiert. Als es um die Frage ging, mich hauptamtlich als Trainer anzustellen, wurde mir nur die Stelle als Platzwart angeboten. Ich war mir daf\u00fcr nicht zu schade. Mir war die Aussicht auf eine Festanstellung als Trainer wichtig\u201c, sagt Kostner.<\/p>\n<p>Die Zeit als Platzwart war nicht einfach. \u201eVor allem, wenn Spiele waren und die Gastmannschaft trainierte. Da kannte man ja einige \u2013 das war unangenehm. Aber ich habe es f\u00fcr meine Familie gemacht. Da musste ich durch, irgendwie mussten wir den Kopf \u00fcber Wasser halten.\u201c Nach blau\u00e4ugigen, verlustreichen Immobiliengesch\u00e4ften hatte Sicherheit Priorit\u00e4t. Dennoch war er schockiert: \u201eIch dachte ,Seid ihr bescheuert? Ich geh&#8216; hier nicht raus und mach den Platzwart&#8216;. Aber es gab keine Alternative. Ich sagte mir irgendwann ,Komm&#8216;, schei\u00df drauf, das ziehst du durch und dann kriegst du die Festanstellung&#8216;.\u201c Die bekam er nach zwei Jahren als Trainer der Reserve. Zwei Mal konnte der DFB-Pokalsieger mit Eintracht Frankfurt (1988) mit den Amateuren aufsteigen, ehe sich die Wege 2006 aus finanziellen Gr\u00fcnden trennten.<\/p>\n<p>Die Zeit in Saarbr\u00fccken bezeichnet \u201eBalu\u201c als seine \u201emit Abstand sch\u00f6nste im Profi-Fu\u00dfball. Ich wollte beim FCS bleiben, trotz Abstieg in die 2. Liga. Der Verein sagte mir aber: ,Wir m\u00fcssen dich verkaufen&#8216;. Mir wurde von Fans vorgeworfen, das sinkende Schiff zu verlassen. Genau das wollte ich ja nicht.\u201c Mit dem Hamburger SV musste er nach dem Wechsel in der ersten DFB-Pokalrunde zum FCS. \u201eIch wurde ausgepfiffen, Zuschauer riefen ,Judas&#8216;. Das hat mich mitgenommen. Journalisten fingen mich nach dem Spiel ab, und ich sagte, dass ich es asozial finde, wie die Leute sich benehmen. Am n\u00e4chsten Tag stand in der Bild-Zeitung: ,Kostner beleidigt 1,1 Millionen Saarl\u00e4nder als Asoziale&#8216;. Das sitzt noch tief. Bei mir und den FCS-Fans. Das kann man auch nicht mehr zurecht r\u00fccken, und man muss damit leben.\u201c<\/p>\n<p>Wie mit der Gewissheit nach 13 Jahren als Profi, dass er nicht alles richtig gemacht hat: \u201eH\u00e4tte ich nochmal die Chance, w\u00e4re ich mehrfacher Million\u00e4r. Ich hatte das Talent, mehr als ,nur&#8216; Bundesliga-Spieler zu sein. Ich w\u00fcrde mich zehn Jahre nur auf Fu\u00dfball konzentrieren. Wenn du erst einmal in dem Fahrwasser bist, genie\u00dft du das Leben, weil: Kohle hast du ja. Und ich w\u00e4re diplomatischer. Fr\u00fcher hab&#8216; ich gesagt, was ich gedacht hab&#8216;. Heute \u00fcberlege ich vorher, ob es mir was n\u00fctzt.\u201c<\/p>\n<p>Der geb\u00fcrtige M\u00fcnchner, der f\u00fcr eine Schulung bei Peugeot bald wieder ins Saarland kommt, sagt aber auch: \u201eEs war trotzdem eine sch\u00f6ne und lehrreiche Zeit. Ich bin immer meinen Weg gegangen, und ich bin fast \u00fcberall angeeckt. Aber ich kann in den Spiegel schauen \u2013 und das ist f\u00fcr mich wichtig.\u201c<br \/>\n<strong><em><br \/>\nZur Person<\/em><\/strong><br \/>\nMichael Kostner spielte als Fu\u00dfballprofi bei Eintracht Frankfurt (1987 bis 1989), Kickers Offenbach (bis 1991), 1. FC Saarbr\u00fccken (bis 1993), Hamburger SV (bis 1995), FC Homburg (bis 1996) 1. FC K\u00f6ln (bis 1998), und Wacker Burghausen (bis 2000). Trainer war er bei Wacker Burghausen II (2002 bis 2006), ESV Freilassing (bis 2007). Seit 2007 trainiert er den beim TSV Ampfing.<br \/>\nDen Spitznamen \u201eBalu\u201c hat ihm in seiner Zeit beim 1. FC Saarbr\u00fccken Matthias H\u00f6nerbach, derzeit Co-Trainer bei Werder Bremen, verpasst: \u201eWir hatten damals drei Michaels in der Mannschaft: Preetz, Kr\u00e4tzer und mich. Matthias sagte dann, ich h\u00e4tte die Ruhe wie Balu der B\u00e4r aus dem Disney-Film Dschungelbuch. Und jetzt hat sogar mein Sohn Kevin den Namen \u00fcbernommen, weil es in seiner Mannschaft drei Kevins gab und ein Vater das so vorgeschlagen hatte.&#8220;<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht an Weihnachten 2009 in der Saarbr\u00fccker Zeitung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ex-Profi Michael Kostner sagt: \u201eH\u00e4tte ich nochmal die Chance, w\u00e4re ich mehrfacher Million\u00e4r\u201c Ampfing. Peter Neururer sagte als Trainer des Fu\u00dfball-Bundesligisten 1. 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